Hutba: Was uns die Hidschra lehrt (09.10.2015)

Verehrte Muslime!
Das Jahr 622 christlicher Zeitrechnung ist eines der wichtigsten Wendepunkte der Geschichte. In diesem Jahr sind unser Prophet und seine Gefährten von Mekka nach Medina ausgewandert. Die eigentliche Hidschra aber war nicht diese Auswanderung, sondern die Abwendung vom Schirk und die Zuwendung zum Tawhîd. Das ist der Grund dafür, warum beim Wort „Hidschra“ jeder an dieses spezielle Ereignis denkt, obwohl es im Laufe der Geschichte viele Auswanderungen gegeben hat.

Liebe Geschwister!
Hidschra bedeutet Gehorsam gegenüber Allah und Zusammenhalt. Die Muslime aus Mekka hatten ihre Heimat, ihre Familien und alles Weltliche hinter sich gelassen, um Allahs Wohlwollen zu erlangen. Die Muslime in Medina hatten sie herzlich aufgenommen und ihre Häuser und ihr Hab und Gut mit ihnen geteilt. Die Muslime aus Mekka und Medina waren nun fest miteinander verbunden. Diese Verbundenheit war etwas Einzigartiges in der Geschichte. Die Hidschra hat nicht nur die Bewohner Mekkas und Medinas zu Geschwistern gemacht, sondern auch die lange Jahre anhaltende Feindschaft zwischen den Stämmen Aws und Hazradsch beendet.

Verehrte Muslime!
Die Hidschra ist keine einfach Auswanderung oder Flucht, sondern eine Aktion, ein Widerstand, der neue göttliche Ziele in sich trägt. Hidschra bedeutet, etwas um Allahs Willen zu verlassen, um einen Neuanfang zu wagen. In vielen Koranversen hat Allah die Hidschra und die Auswanderer gelobt. In der Sure Bakara heißt es: „Siehe, die, welche glauben und für Allahs Sache auswandern und streiten, sie hoffen wirklich auf Allahs Barmherzigkeit; und Allah ist verzeihend und barmherzig.“[1]

Die Hidschra wurde derart hoch gehalten und den Auswanderern solche Belohnungen in Aussicht gestellt, dass viele Menschen unserem Propheten gegenüber ihren Willen zur Auswanderung bekundeten. Unser Prophet antwortete ihnen jedoch, dass keine Hidschra mehr stattfinden werde und sie nunmehr eine andere Gestalt angenommen habe. Auch die Helfer in Medina, die die Auswanderer aus Mekka bei sich aufnahmen, wurden gelobt. In der Sure Haschr heißt es: „Diejenigen, die vor ihnen hier (in Medina) im Glauben zu Hause waren, lieben die, welche zu ihnen auswanderten, und fühlen in sich kein Verlangen nach dem, was ihnen gegeben wurde. Sie ziehen sie (die Auswanderer) sich selber vor, auch wenn sie selber bedürftig sind. Wer so vor seiner eigenen Habsucht bewahrt ist – denen ergeht es wohl.“[2]

Liebe Geschwister!
Aus diesen zwei Koranversen geht hervor, dass sich die Auswanderer und die Helfer während der Hidschra gegenseitig ergänzen. Was beide gemeinsam haben, wird in folgendem Hadith zusammengefasst: „Ein Gläubiger ist jemand, vor dem die Menschen im Hinblick auf ihr Leben und ihr Eigentum sicher sind. Ein Auswanderer hingegen ist jemand, der sich von allem Schlechten und Sündhaften entfernt, er ist jemand, der die Hidschra vollzieht.“[3]

Verehrte Muslime!
Wie man sieht, ist die Hidschra kein bloßer Ortswechsel, sondern eine Veränderung des Herzens. Sie ist eine Flucht aus der Dunkelheit zum Licht, vor dem Schlechten zum Guten, von den Sünden zur Belohnung; sie ist eine Zuflucht zu Allah.

Möge Allah uns am Tag des Gerichts zu denjenigen zählen, die mit den Auswanderern zusammen sein werden!

[1] Sure Bakara, 2:218
[2] Sure Haschr, 59:9
[3] Ibn Mâdscha, Fitan, 2; Hadith Nr. 3924

Quelle: igmg.org